WHO IS PENCILSKIRT???

PS Über michIch bin PencilSkirt – alias Constance Grunewald-Petschke. Baujahr 1977, bin ich im wilden Osten aufgewachsen. Einem Staat, in dem es ein beliebter Volkssport war, Coca Cola und Badezimmerfliesen aus der Tschechoslowakei zu importieren und sicher zu stellen, dass der kommunistische Freund und Helfer am Grenzübergang den Warentransfer nicht bemerken würde. In meiner winzigen Kinderwelt und gab es zunächst einmal die Jungen Pioniere, lt. Wikipedia eine „politische Massenorganisation für Kinder“. Wir alle trugen einheitlich blaue Halstücher. Fast immer, zumindest in der Schule. Und dann gab es noch den täglichen Appell auf dem Schulhof, der stets mit dem sozialistischen Versprechen „Immer bereit!“ endete und uns für die glänzende Zukunft der Deutschen Demokratischen Republik zu Höchstleistungen motivieren sollte. Später wurden wir alle Thälmann-Pioniere und trugen dann endlich rote Halstücher! Ansonsten änderte sich aber auch als Jugendliche nicht viel an unserer Freien Deutschen Jugend, die wir überwiegend uniform gekleidet und ehrgeizig sportelnd im sozialistischen Kollektiv verbrachten.

 
 
 

Ein Jungpionier im Kulturschock

220px-Pionierorganisation_Ernst_Thaelmann-Emblem2.svgMeinen ersten Kulturschock erlebte ich mit neun oder zehn Jahren. Ich hatte es damals irgendwie geschafft, mich mit einem exotisch wirkenden Mädchen anzufreunden, das der deutschen Sprache in keiner Weise mächtig war. Sie war einer dieser jungen Menschen, die unsere an Fachkräften mangelnde Wirtschaft der 80er als Vertragsarbeiter mit ihrer Arbeitskraft beglückten. Sie kamen aus Mosambik, Ungarn oder Nicaragua. Lanai – so hieß meine neue Freundin – kam aus Vietnam. Ihr fremdes Aussehen faszinierte mich, und die Tatsache, dass wir uns eigentlich null unterhalten konnten, störte mich nicht. Im Gegenteil: das war irgendwie reizvoll. Als ich das erste Mal ihre ca. 70qm große Plattenbau-Bude betrat, war ich dem Charme der Andersartigkeit sofort erlegen. Zum Einen lebte sie mit unzähligen weiteren Kolleginnen auf einer Fläche, die ich mir lediglich mit meinen Eltern zu teilen hatte. Was mich aber noch viel stärker beeindruckte war, dass sich das Leben dort vollkommen anders anfühlte: Licht, Düfte,  Geräusche. Energien. Stimmungen. Menschen. Sicherlich ist „Schock“ das falsche Wort, denn es war eher ein erstes romantisches Aufeinandertreffen von Ost und West (wobei ich in diesem Fall sogar ausnahmsweise den westlichen Part übernahm).

 
Mit elf Jahren dann der zweite Kulturschock – der war weniger romantisch! Eher aufrüttelnd. Historisch. Aber auch befreiend. Als ich nämlich eines unbeschwerten Teenagermorgens in unseren Konsum (so hießen unsere HammerundZirkel-Einkaufsläden) lief, um mir ein Fläschlein der geschmacksneutralen Ossifanta namens Karena zu besorgen, tappte ich geradezu in die kapitalistische Konsumfalle! Da hatte doch tatsächlich Einer am Wochenende die gesamten sozialistischen Qualitätswaren geklaut und stattdessen Unmengen von ästhetischen Produkten eingeparkt. Die waren mir bis dato ausschließlich durch strengstens verbotene Westwerbung bekannt. Bunt! Vielfältig! Wohlduftend! Der Klassenfeind hatte erbarmungslos zugeschlagen. Dieser eher materiellen Entdeckung folgte wenig später die erstmalige Bezwingung der nächstgelegenen Grenzgebiete, des „Drübens“. Und auch hier ließ der Culture Clash nicht lange auf sich warten. Exotik pur: Gepflegte Straßen, gefüllte Schaufenster, attraktive Menschen, Gaststätten ohne Schlangen, mehr als nur drei Sorten Autos. Und wieder Farben, Düfte, Energien. Und das Ganze keine 100 Kilometer vor meiner proletarischen Haustür!

 
 

La France, le choc culturel et l’amitié Franco-allemande


Die Faszination der Differenzen zwischen Ost und West und zunehmend auch alle anderen kulturellen Unterschiede dieser Welt wich mir nicht mehr von der Seite. Ich entschied mich für ein Studium der Interkulturellen Kommunikation mit dem Schwerpunkt Frankreich und bekam so endlich die Möglichkeit, mein bisher nur laienhaftes Wissen wissenschaftlich zu untermauern. Zu Beginn war das Studium vorsichtig ausgedrückt staubtrocken (wie wahrscheinlich der überwiegende Großteil aller Studienfächer?). Die kulturwissenschaftlichen Darstellungen schienen mir irgendwie ziemlich theoretisch, praxisfern, übertrieben. Bis zu dem einschneidenden Zeitpunkt, als ich die Theorien während eines Aufenthaltes in Paris Eins zu Eins am eigenen Leib erfahren durfte…
 
Kulturschock Nummer 3. Die Tatsache, dass ich damals das außerordentliche Glück hatte, in einer längeren deutsch-französische Partnerschaft zu leben, verhalf mir zu einzigartigen interkulturellen Erlebnissen… und spannenden Erkenntnissen. Ich lebte 5 Jahre im Ausland, danach war es Zeit zu gehen. Was blieb, war die Leidenschaft für alles Fremde. Und die wachsende Begeisterung für die Herausforderungen interkultureller Kommunikation.

 

Heute, 10 Jahre später, ist genau das mein Job: ich stehe internationalen Unternehmen und deren Mitarbeitern in Entsendungs- und interkulturellen Fragestellungen beratend zu Seite. Ich unterstütze Expat-Familien aus der ganzen Welt bei der Eingewöhnung in ihrem neuen Lebensumfeld. Denn Leben und Arbeiten in und mit anderen Kulturen ist faszinierend und herausfordernd zugleich.

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Dein PencilSkirt