03Jun
2016

Hilfe, mein Coach löst meine Probleme nicht!

Coaching

Stell dir vor: Du hast dir vorgenommen in deine Weiterentwicklung im Ausland zu investieren und einen eigenen Coach angeheuert. All deine Probleme sind auf einmal wie weggeblasen. Schon weisst du mit jeder Situation im Ausland umzugehen. Vorbei sind die Zeiten, in denen du während deines Auslandsaufenthaltes in jeden Fettnäpfchen tratst. Macht Platz, ihr alten Schwächen. Okay, das wäre ein relative kurzer Artikel, …wäre da nicht ein kleines Detail: …ähm..die Realität.
 

Die sieht nämlich anders aus. Sonst würden die Drähte jedes nächstbesten erreichbaren Coach längst heißglühen. Tun sie aber nicht. Wie mir scheint aus dem Grund, dass viele Menschen den Wert und die Arbeit eines (Lebens- oder Karriere-)Coaches nicht verstehen. Deswegen kauft man lieber nicht die Katze im Sack. Vorurteile gegenüber einer bestimmte Berufsgruppe zu haben ist normal. Jeder von uns läuft mit denen im Gepäck durchs Leben, und besonders im Ausland werden unsere Vorurteile auf die Probe gestellt. Ich dachte zum Beispiel immer, dass man mit Anwälten auf keinen Fall Spass haben könnte. Bis ich mit nicht nur einem, sondern gleich zwei Anwälten eine Wohnung teilte, und wir bis heute Freunde sind. Ich bin daher neugierig, welches Bild du dir beim Begriff Coach ausmalst. Spiritueller Humbug? Nur Fragen ohne Antworten? Jemanden dafür zu bezahlen, noch mehr zu arbeiten? Ein Problemlöser?
 

 
 

Missverständnisse beim Coaching!


 

In meinen Gesprächen höre ich diese Ausrede, warum man nicht mit einem Coach arbeiten wolle, sehr häufig: Man müsse von seinen eigenen Fehlern und negativen Erfahrungen lernen. Man brauche keinen Coach um die eigenen Probleme für sich zu lösen!
 

Verstanden wird Coaching aber als „partnerschaftlicher und zum Nachdenken anregender Prozess, der Menschen und Organisationen kreativ dabei unterstützt, ihr persönliches und professionelles Potential zu steigern.“ (Internationale Coaching Federation, 2016) Die Wirkunsweise des Coachings liegt daher in der Möglichkeit mit einer neutralen Person zu reflektieren und Möglichkeiten zu entdecken. Jemand, der unbequeme Fragen stellt, die man sonst oft vor sich hinschiebt. Ein Coach folgt dabei nicht einem strikt vorgeschriebenen Fahrplan wie ein Trainer, und er oder sie beschäftigt sich auch weniger mit der Diagnose und Implementierung einer Lösung, wie eine Beraterin.
 
 
 
 
Ein Coach hilft beim Veränderungsprozess, den man sich während eines Auslandsaufenthaltes kaum entziehen kann. Sie hilft dir Strategien und Lösungen zur eigenen Entwicklungssteigerung zu entwicklen, und so im Endeffekt das volle Potenzial deines Auslandsaufenthaltes auszuschöpfen.

 

Du hast vielleicht schon einmal die folgende Situation erlebt. Du sitzst im Ausland, dein Partner ist auf Geschäftsreise und Du hast mal wieder zu viele Sachen auf einmal zu tun. Auf der Suche nach Ablenkung, triffst du dich mit einer Freundin im Lieblingscafe und schüttest ihr dein Herz aus. Und auch wenn deine Freundin nicht den passenden Rat hat und nicht sonderlich objektiv sein kann, hast du während des Gespräches einen Aha-Moment. Wenn wir unsere Gedanken und wild umherkreisenden Eindrücke in verständliche Sätze fassen müssen, gibt uns das enorm viel Möglichkeit selbst einen Lösungsansatz zu sehen. Stell dir nun vor, dir würde nicht eine Freundin, mit den eigenen Problemen, Frustrationen und Bewertungen gegenüber sitzen, sondern ein neutraler Partner. Oft sind wir mit vielen verschiedenen, gleich wichtigen Aufgaben im Alltag überfordert, während wir uns gleichzeitig durch die Erwartungshaltungen unserer Bezugspersonen (Familie, Partner, Kindern, Freunde, uns selbst) Druck erzeugen. Ob es die fehlende klare Sicht auf das Endziel oder das größere Ganze ist oder das Gefühl, die Richtung und den Sinn verloren zu haben, ein Coach wird dich im Lösungsprozess begleiten (ihn dir aber nicht vorschreiben).
 
 

5 Gründe mit einem Coach während des Auslandaufenthaltes zu arbeiten


 

    1. Rechenschafts- und Verantwortungspflicht – Durch regelmäßige Meetings (ob virtuell oder persönlich) verpflichtet man sich, die eigenen Denk- und Verhaltensmuster zu untersuchen. Ohne einen Partner verlieren viele schnell die Motivation und sehen den Lerneffekt nicht.
     

    2. Aussenperspektive- man lernt seine eigenen Vorurteile und Voreingenommenheit bewusster kennen, und kann dann alternative Perspektiven durch objektive Einschätzungen und Beobachtungen des Coaches erforschen
     

    3. Den Denkstil verändern- persönliche Schwächen und Frustrationen im Alltag im Ausland werden zu Herausfordungen als Möglichkeiten für Weiterentwicklung
     

    4. Eine regelmäßig geplante Auszeit zur Reflektion – denn wann nehmen wir uns sonst wirklich die Zeit dafür, Abstand zu gewinnen
     

    5. Alte Gewohnheiten aufbrechen – es gibt kaum eine bessere Zeit als während eines Auslandsaufenthaltes Gewohnheiten unter die Lupe zu nehmen und durch neue Blickwinkel gesündere Verhaltensweisen aufzubauen (gesund für Körper und Geist!)

 
 

In Situationen, wo wir viel Stress ausgesetzt sind und ausserhalb unseres Komfortbereichs arbeiten, greifen wir bei wichtigen Entscheidungen auf alte Erfahrungen und Erinnerungen zurück. Aber im Ausland sind dies kaum die besten Antworten auf komplett neuartige Situationen. Aber gerade wenn es schnell gehen muss, ist es oft die einzige Lösung, die sich anbietet. Idealerweise möchtest du aber nicht REAGIEREN SONDER AGIEREN! Da heisst es, Prioritäten genau zu untersuchen, Zeit anders zu managen, und eine Vision zu haben, was man mit der Zeit im Ausland erreichen möchte. Ein Coach kann dabei als Anker dienen, um diese Zeit im Ausland erfolgreich zu nutzen und dich zur Rechenschaft zu halten, wenn sich mal wieder das „Gewohnheitsmonster“ einschleicht.
 
 

Warum investieren wir weniger in unsere mentalen Stärken und Fähigkeiten?


 

Du solltest dich also fragen: Warum sind die meisten Menschen bereit mit einem Fitnesscoach zu arbeiten, der einen in Form bringt, aber nicht mit einem Lebens- oder Karrierecoach? Meiner Meinung nach liegt es an der sichtbaren Veränderung. Fitter zu sein ist sichtbar (und man staubt unheimlich viele Komplimente ab), hat eine Riesenwirkung (Hallo Selbstwertgefühl!), und führt auf lange Sicht zu neuen gesunden Routinen.
 
Genau dasselbe kann man auch über einen mentalen Coach sagen. Eins sollte jetzt klar sein: ein Coach wird trotz aller Hilfe deine Probleme nicht für dich lösen. Aber die Entwicklung und Weiterbildung die du bei der Arbeit mit einem Coach dank dieser negativen Erfahrungen haben kannst, machen die Zeit im Ausland um so wertvoller.
 
 
 
Susan SalzbrennerÜber die Autorin:
Susan Salzbrenner ist ausgebildete Psychologin und interkulturelle Trainerin. Sie unterstützt Expatpartner, (zukünftige) Führungskräfte, Teams und Organisationen dabei, komplexe Situationen in einem internationalen Umfeld erfolgreich zu meistern. Die Deutsche greift dabei auf ihre eigenen Auslandserfahrungen in den USA, Australien, China, Frankreich und Dänemark zurück, als auch auf ihre Erfahrung im Training, Coaching und Talententwicklungsbereich großer Unternehmen und Profisportler.
 
 
 
 
 
 
 

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